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ROCHE.DE: FACHINFORMATIONEN ZUM LUNGENKARZINOM

In unserem Fachbereich erhalten Sie weitere Informationen zum Lungenkarzinom und unseren Therapieoptionen.

Behandlungsoptionen kennenlernen

Welche Möglichkeiten gibt es?

Lungenkrebs kann, wie andere Krebsarten auch, mit einer Operation, mit einer Strahlentherapie oder mit Medikamenten behandelt werden. Zum Teil werden die einzelnen Therapieformen dabei auch miteinander kombiniert. Jeder Patient und jeder Krankheitsverlauf ist anders. Welche Therapien zum Einsatz kommen, entscheiden Mediziner für jeden Betroffenen neu. In die Wahl der geeigneten Therapie fließen viele Gesichtspunkte mit ein.

Die Behandlung von Lungenkrebs richtet sich in erster Linie nach seiner Beschaffenheit. Es gibt zwei Arten von Tumorgewebe mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften, die entsprechend verschiedene Therapien erfordern. Benannt werden die beiden Formen nach den Eigenschaften der Tumorzellen: Kleinzelliger Lungenkrebs wächst schnell und neigt stark zur Bildung von Absiedlungen (Metastasierung), nicht-kleinzelliger Lungenkrebs wächst langsamer und metastasiert weniger stark.

Beide Arten lassen sich noch genauer einteilen. So wird bei kleinzelligem Lungenkrebs zwischen „begrenztem“ und „ausgedehnten“ Krankheitsstadium unterschieden:

  • Vom begrenztem (limited disease, LD) Stadium sprechen Mediziner, wenn der Tumor auf einen Lungenflügel und eine Seite des Brustkorbs begrenzt ist.
  • Im ausgedehnten (extensive disease, ED) Stadium hat sich der Tumor auf den benachbarten Brustkorb und umliegendes Gewebe ausgedehnt oder hat bereits Absiedlungen (Metastasen) im Körper gebildet.

Nicht-kleinzelliger Lungenkrebs wird nach Art der Ursprungszellen unterschieden, aus denen er entstanden ist:

  • Ein Adenokarzinom entsteht aus Zellen, die die Eigenschaften von Drüsengewebe haben.
  • Ein Platteneipthelkarzinom bildet sich aus Schleimhautdeckzellen, die dem Deckgewebe der Bronchien entstammen.
  • Ein großzelliges Karzinom zeichnet sich besonders große Zellen beziehungsweise Zellkerne aus. Seine Herkunft kann bei der mikroskopischen Begutachtung nicht mehr eindeutig zugeordnet werden, es handelt sich also um eine Ausschlussdiagnose.

Diagnostische Methoden ermöglichen es heute zudem, genetische Eigenschaften von nicht-kleinzelligen Lungentumoren zu charakterisieren. Der nicht-kleinzellige Lungenkrebs wird daher auf Grund typischer Veränderungen im Erbgut (Mutationen) in weitere Unterformen eingeteilt: In ca. 15 % liegt eine EGFR-Mutation vor, in ca. 4 % eine ALK-Mutation. In diesen Fällen spricht man von EGFR- bzw. ALK-positivem Lungenkrebs.

Die Entscheidung für oder gegen eine Therapie hängt nicht nur von Tumortyp und Erkrankungsstadium ab. Auch das Alter und der Allgemeinzustand des Betroffenen spielen eine große Rolle. Daher untersucht der Arzt immer den gesamten Körper, bevor er sich festlegt. Mit Bluttests werden die Nieren- und Leberfunktion, die Blutgerinnung und die Blutbildung bestimmt. Außerdem misst der Arzt die Herz- und Lungenfunktion. Dabei kommt es vor allem auf die Funktion des gesunden Lungenabschnitts an – also auf den Teil, der bei der Behandlung geschont werden soll. Er muss später die komplette Atmung übernehmen können.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, welches Ziel mit der Therapie erreicht werden kann:

  • Eine kurative Behandlung soll das Tumorgewebe vollständig Entfernen beziehungsweise zerstören. Sie hat die Heilung eines Patienten zum Ziel.
  • Eine palliative Therapie soll das Fortschreiten der Krankheit möglichst verlangsamen und ihre Symptome lindern. Ihr Ziel ist also, dass ein Patient trotz Lungenkrebs möglichst lange und weitestgehend beschwerdefrei leben kann.

Hinweis für Angehörige
Sowohl Sie als auch der Patient profitieren davon, dass Sie gut informiert sind: Zusammen zum Arztgespräch zu gehen hilft, den Überblick über die vielfältigen Therapieoptionen zu behalten. Möglicherweise ist der Betroffene von der Diagnose so überwältigt, dass er von der Fülle an Informationen erst mal überfordert ist. Dadurch, dass Sie selbst über die Therapiemöglichkeiten informiert sind, können Sie einen Teil der Verantwortung übernehmen und ihn beim Entscheidungsprozess unterstützen.

Wann kommt eine Operation infrage?

Vor allem bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs stellt eine Operation, bei der der Tumor entfernt wird, die wirkungsvollste Therapie dar. Eine solche, auch Resektion genannte Entfernung kommt bei kleinen Tumoren oder frühen Stadien der Erkrankung infrage, also dann, wenn der Tumor am Ursprungsort noch sehr begrenzt ist oder noch nicht gestreut hat.

Ziel der Operation ist, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Häufig wird dazu ein kompletter Lungenlappen entfernt, Mediziner sprechen von einer Lobektomie. Manchmal ist es nötig, auch den angrenzenden Lungenlappen zu entfernen (Bilobektomie), oder auch Teile benachbarter Organe zu entnehmen. Auch wenn die Ärzte immer bemüht sind, so wenig gesundes Gewebe wie möglich zu entfernen: Die Entnahme von gesundem, an den Tumor angrenzenden Gewebes ist nötig. So wollen Mediziner erzielen, dass keine Krebszellen in der Lunge zurückbleiben. Ob bei einem größeren Tumor ein kompletter Lungenflügel entfernt werden kann, wägen die Ärzte sorgfältig ab. Ein Kriterium ist hierbei der allgemeine Gesundheitszustand. Eine wichtige Rolle spielen zum Beispiel Vorerkrankungen wie zum Beispiel ein geschwächtes Herz. In solchen Fällen werden Ärzte eher zu einer Strahlentherapie raten. Außerdem muss gewährleistet sein, dass die verbleibenden Lungenteile die Atmung übernehmen können.

Operationsverfahren bei Lungenkrebs

Die Folgen einer Operation

Einen Lungentumor mitsamt umgebendem Gewebe zu entfernen bedeutet einen großen Eingriff. Nach der Operation können daher Schmerzen in Brust und Oberkörper auftreten, Brust und Arme können sich schwach anfühlen, möglicherweise fällt Ihnen tiefes Atmen oder auch Husten schwer. Die meisten Patienten erholen sich von diesen Folgen jedoch rasch. Müssen Ärzte einen kompletten Lungenflügel entfernen, sind Betroffene zunächst nur eingeschränkt leistungsfähig. Mit der Zeit übernimmt aber der verbleibende Lungenflügel die Atemfunktion zu einem großen Teil. Mit einer Atemtherapie und regelmäßigen Übungen können Sie diesen Vorgang wirksam unterstützen, um sich der ursprünglicher Leistungsfähigkeit wieder anzunähern.

Was genau ist eine Chemotherapie?

Zur Behandlung von Lungenkrebs erhalten viele Patienten eine Chemotherapie. Ärzte verfolgen dabei unterschiedliche Ziele: Die Tumorverkleinerung vor, das Zerstören verbliebener Krebszellen nach einer Operation oder das Verlangsamen des Tumorwachstums. Die hierbei eingesetzten Medikamente, sogenannte Zytostatika, können Zellen, die sich besonders schnell teilen, zerstören oder ihre Ausbreitung verhindern. Da eine Chemotherapie im ganzen Körper, also systemisch wirkt, kann sie auch eventuelle Absiedlungen (Metastasen) zerstören.

Die bei der Chemotherapie verwendeten Zytostatika werden häufig als Infusion, manchmal auch in Form von Tabletten verabreicht und verteilen sich über das Blut im gesamten Körper.
Die Therapie verläuft meist ambulant. Je nach Ziel der Behandlung unterscheidet man zwischen:

  • neoadjuvanter Therapie, die den Tumor vor einer Operation verkleinert
  • adjuvanter Therapie, die Krebszellen die nach einer Operation eventuell im Körper verblieben sind, zerstört und
  • palliativer Therapie, die Tumorgewebe zerstört oder dessen Wachstum verlangsamt, wenn der Tumor oder eventuelle Metastasen nicht (mehr) vollständig entfernt werden können Ist ein nicht-kleinzelliger Tumor lokal begrenzt, eine Operation aber nicht möglich, kommt häufig eine Chemotherapie in Kombination mit einer Strahlentherapie (Radiochemotherapie) zum Einsatz.

Eine Chemotherapie erfolgt meist in mehreren Sitzungen mit einigen Tagen oder Wochen Behandlungspause dazwischen – den sogenannten Zyklen. Der Grund hierfür ist, dass eine Chemotherapie auf alle schnell wachsenden Zellen wirkt, neben Krebszellen sind dies zum Beispiel auch gesunde Schleimhaut- oder Knochenmarkszellen. Die Behandlungspausen dienen dazu, dass sich das gesunde Gewebe wieder erholen und der Köper neue Kraft schöpfen kann.

Nebenwirkungen einer Chemotherapie

Zytostatika wirken besonders auf sich schnell teilende Zellen. Dies macht sie sehr wirksam gegen Tumorzellen. Es gibt jedoch im Körper auch gesunde Zellen, die sich schnell teilen und die deshalb von einer Chemotherapie ebenfalls angegriffen werden. Beispiele sind Zellen von Haut und Schleimhäuten, sowie Knochenmarkszellen, die an der Blutbildung beteiligt sind. Folgende Nebenwirkungen sind daher möglich:

  • Vorübergehender Haarausfall
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schleimhautentzündungen im Mund und im Darm
  • Durchfall
  • Allgemeines Unwohlsein und Schwäche
  • Erhöhtes Infektionsrisiko durch Schwächung des Immunsystems
  • Schädigung der Blutbildung im Knochenmark
  • Störungen der Blutgerinnung

Viele Nebenwirkungen können Mediziner behandeln oder sogar vorbeugen, etwa durch die Gabe von Medikamenten, z. B. Antiemetika gegen Erbrechen oder Substanzen zur Blutzellbildung gegen Blutarmut (Anämie), Müdigkeit und Erschöpfung.

In manchen Fällen kann es, bedingt durch die Erkrankung und die Chemotherapie, zu einer starken und umfassenden Erschöpfung kommen, der sogenannten Fatigue. Wenn Sie sich erschöpft fühlen oder geringe Anstrengungen Sie schnell überfordern, sollten Sie darüber mit Ihrem Arzt sprechen. Medikamente, psychoonkologische Unterstützung und Ernährungs- oder Bewegungstherapien können Ihre Lebensqualität spürbar verbessern.

Wie wird die Strahlentherapie eingesetzt?

Bei der Strahlentherapie richten Mediziner energiereiche elektromagnetische Strahlung gegen Tumorzellen in der Lunge mit dem Ziel, diese zu zerstören. Dank stetiger Fortschritte in der Medizintechnik können Strahlentherapeuten immer präziser arbeiten und umliegendes Gewebe schonen. Entsprechend breit sind die Einsatzbereiche der Strahlentherapie: Sie kann alleine, oder in Kombination mit Operation oder Chemotherapie zum Einsatz kommen.

In welchem Rahmen Ärzte die Strahlentherapie einsetzen, hängt dabei vom Schweregrad der Erkrankung ab. Ist der Tumor noch kleiner als 2 cm (Stadium T1a), ist die alleinige Strahlentherapie die beste Wahl. Eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie kann dafür sorgen, dass ein fortgeschrittener Tumor so stark verkleinert werden kann, dass eine Operation möglich wird. Eine Kombination aus Operation und Strahlentherapie kommt zum Einsatz, wenn bei der Operation nicht der gesamte Tumor entfernt werden konnte und/oder wenn sich bereits Metastasen im umliegenden Gewebe gebildet haben.

Ähnlich wie die Chemotherapie erfolgt auch die Strahlentherapie in mehreren Sitzungen, meist sind es vier bis fünf Behandlungen pro Woche. Trotz großer Fortschritte bei der Präzision bleibt es, vor allem bei der Behandlung tiefer liegender Tumoren, nicht aus, dass auch gesundes Gewebe bestrahlt wird. Während der Behandlungspausen kann sich dieses wieder erholen. Die Behandlung selbst ist schmerzfrei, jedoch können als Nebenwirkungen unter anderem Hautreizungen und Magen-Darm-Beschwerden auftreten.

Gibt es bei Lungenkrebs zielgerichtete Therapien?

Die Krebsforschung hat in den letzten Jahren einige Mechanismen aufklären können, die zum unkontrollierten Wachstum von Krebszellen beitragen. Auf dieser Grundlage konnten Forscher Medikamente entwickeln, die diese Vorgänge in der Zelle unterbinden. Mediziner sprechen hier von zielgerichteten Therapien, weil sie in sehr spezifische Vorgänge in Zellen eingreifen. Gerade bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs gibt es verschiedene zielgerichtete Therapien, die das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen können. Es handelt sich um Tyrosinkinase-Hemmer (Tyrosinkinase-Inhibitoren, TKI) und Angiogenese-Hemmer.

Das Signal zum Wachsen unterbrechen: Tyrosinkinase-Hemmer

Um sich zu teilen, brauchen Zellen ein Signal. Dieses Wachstumssignal nehmen sie von außen über Strukturen in der Membran (Rezeptoren) auf, die als eine Art Bote das Signal ins Innere der Zelle leiten. Dabei setzen sogenannte Tyrosinkinasen an der Innenseite des Rezeptors eine Signalkette in Gang, die zur Zellteilung führt. Bei einigen Tumoren gibt es besonders viele dieser Rezeptoren auf der Zelloberfläche und die Tyrosinkinase ist dauerhaft aktiv. Dadurch erhalten die betroffenen Zellen ständig das Signal zur Teilung: Der Tumor wächst. Es gibt jedoch zielgerichtete Medikamente, sogenannte Tyrosinkinase-Hemmer, die ein Auslösen des Wachstumssignals verhindern, indem sie die Tyrosinkinase blockieren. Es handelt sich um sehr kleine Moleküle, die ins Innere der Zelle gelangen können, um dort den inneren Teil des Rezeptors zu blockieren. Diese Unterbrechung der Signalkette verlangsamt die Zellteilung und damit das Tumorwachstum enorm.

Wachstumsfaktoren stimulieren das schnelle Wachstum des Tumors
Tyrosinkinase-Hemmer blockieren das Signal und verlangsamen so das Wachstum

Nebenwirkungen von Tyrosinkinase-Hemmern

In der Regel sind Tyrosinkinase-Hemmer gut verträglich, einige unerwünschte Wirkungen sind jedoch möglich. So kann es zum Beispiel zu Durchfall kommen, der aber mit Medikamenten behandelt werden kann. Außerdem kann die Therapie mit einem Wachstumshemmer, der bei EGFR-positivem Lungenkrebs eingesetzt wird, zu einem Hautausschlag, genannt Rash, führen. Tritt dieser Ausschlag auf, ist dies aber gleichzeitig auch ein Hinweis darauf, dass das Medikament wirkt: Studien belegen eine höhere Lebenserwartung bei Patienten, bei denen ein Rash auftritt im Vergleich zu solchen, bei denen diese Nebenwirkung ausbleibt. Tritt der Rash nicht auf, bedeutet dies allerdings nicht, dass der Tyrosinkinase-Hemmer wirkungslos ist!

Durch sorgfältige Hautpflege können Sie einem schwer verlaufenden Rash bis zu einem gewissen Grad vorbeugen. Ist ein Rash aufgetreten, bildet er sich meist nach wenigen Wochen zurück. Er kann medikamentös behandelt werden, zudem können Sie mit der richtigen Hautpflege ebenfalls entscheidend zu einer Linderung beitragen. Fragen Sie Ihren Arzt, welche Produkte sich zur Hautpflege bei einem Rash am besten eignen!

Den Tumor aushungern: Angiogenese-Hemmer

Ein weiterer Weg, das Tumorwachstum einzudämmen ist das „Aushungern“ des Tumors. Dies geschieht, indem man seine Blutversorgung mithilfe von Medikamenten unterbindet. Die Rede ist von sogenannten „Angiogenese-Hemmern“. Ab einer bestimmten Größe ist ein Tumor darauf angewiesen, eigene Blutgefäße zu bilden, um weiter wachsen zu können. Er sendet dazu Signale in Form von Wachstumsfaktoren an entsprechende „Antennen“ (Rezeptoren) auf den Zelloberflächen der Blutgefäße. Daraufhin beginnen diese Zellen, sich zu teilen: Neue Blutgefäße entstehen und versorgen den Tumor mit Nährstoffen und Sauerstoff. Angiogenese-Hemmer verhindern, dass die vom Tumor ausgesendeten Wachstumsfaktoren die Rezeptoren erreichen beziehungsweise unterbinden die nachgeschalteten Signalwege in der Zelle. Somit werden keine neuen Blutgefäße zur Versorgung des Tumors ausgebildet. Er kann nicht mehr weiter wachsen, kann immer weniger Metastasen bilden und sich immer schlechter von einer Chemotherapie oder Bestrahlung erholen. Schließlich leiten immer mehr Tumorzellen den programmierten Zelltod (Apoptose) ein: Der Tumor stirbt ab.

Krebszellen regen durch Wachstumsfaktoren die Bildung von Blutgefäßen an
Angiogenese-Hemmer fangen die Wachstumsfaktoren ab und bewirken die Rückbildung der Blutgefäße
Durch die mangelnde Versorgung „verhungert“ der Tumor

Was bedeutet die Bezeichnung „Angiogenese-Hemmer“? – Angiogenese-Hemmer tragen diesen Namen, weil sie die Bildung neuer Blutgefäße unterbinden. Das Ausbilden neuer Gefäße bezeichnen Mediziner als Angiogenese, abgeleitet von den griechischen Begriffen „ Angio“ = Gefäß und „Genese“ = Entstehung.

 

Nebenwirkungen von Angiogenese-Hemmern

Zielgerichtete Wirkstoffe wie Angiogenese-Hemmer sind in der Regel gut verträglich, einige Nebenwirkungen sind bei der Behandlung aber möglich. So kann es zu Nasenbluten oder Bluthochdruck kommen, ebenso sind Magen-Darm-Beschwerden möglich. Während Nasenbluten relativ einfach selbst gestoppt werden kann, etwa durch Zusammendrücken der Nasenflügel und Auflegen kalter Umschläge im Nacken und auf dem Nasenrücken, können andere Nebenwirkungen schwieriger zu behandeln sein. Sprechen Sie bei Ihrem Arzt sämtliche auftretenden Nebenwirkungen an! Er wird mit Ihnen klären, ob und wie man diesen im Einzelnen begegnen kann.

Neue Ansätze in der zielgerichteten Therapie

Üblicherweise wird ein Angiogenese-Hemmer bei inoperablem, metastasierendem, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs zusammen mit einer platinhaltigen Chemotherapie angewendet. Diesen Therapieansatz wählen Mediziner, weil er in Studien das Gesamtüberleben von Patienten im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie verbessert. Er kann aber mit schwereren Nebenwirkungen einhergehen als eine ausschließliche Chemotherapie.

Seit Kurzem ist es möglich, die Wirkung von Tyrosinkinase-Hemmern mit einem bestimmten Angiogenese-Hemmer zu kombinieren. Mit dieser Therapie leben Patienten deutlich länger, ohne dass die Krebserkrankung voranschreitet, verglichen mit einer Behandlung mit Tyrosinkinase-Hemmern allein. Hierbei treten keine neuen Nebenwirkungen auf, und selbst schwere Nebenwirkungen sind kaum häufiger zu beobachten. Der Angiogenese-Hemmer kann also die Therapie mit Tyrosinkinase-Hemmern wirksam unterstützen. Diese Kombination stellt zudem eine verträgliche Alternative zu der Kombination mit einer Chemotherapie dar.

Was versteht man unter einer Immuntherapie?

Bei einer Immuntherapie versuchen Mediziner, das Immunsystem eines Patienten gegen den Tumor zu richten. Ein Ansatz besteht darin, den Schutz aufzuheben, mit dem Tumorzellen einem Angriff des Immunsystems ausweichen können. Weitere Arten der Immuntherapie sind die Gabe von bestimmten Immunzellen oder Botenstoffen (Cytokine), sowie sogenannte „Krebsimpfungen“.

Vielversprechende Studien: Die Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren

Normalerweise ist das Immunsystem in der Lage, Tumorzellen zu erkennen und zu bekämpfen. Manchmal aber gelingt es den Krebszellen, diesen Abwehrmechanismus auszuschalten: Über bestimmte Strukturen auf ihrer Oberfläche (Checkpoints) können Krebszellen nämlich mit Zellen des Immunsystems in Kontakt treten und diese Zellen dazu veranlassen, Krebszellen nicht mehr anzugreifen: Der Tumor kann ungehindert wachsen. Bestimmte Antikörper, sogenannte Checkpoint-Inhibitoren, können diese unerwünschte Kommunikation zwischen Tumor und Immunsystem unterbinden. Als Medikament verabreicht, blockieren sie die entsprechenden Andockstellen (Rezeptoren) an den Tumorzellen bzw. den Zellen des Immunsystems. Die Tumorzellen sind somit nicht mehr in der Lage, mit den Zellen des Immunsystems in Kontakt zu treten und das Immunsystem „auszubremsen“. Die körpereigene Abwehr kann sich folglich wieder gegen den Tumor richten.

Eine Besonderheit dieser neuen Form der Therapie ist, dass sie an sehr speziellen Mechanismen angreift. Dies bedeutet auch, dass nicht alle Patienten in gleichem Maße davon profitieren: Der zu behandelnde Tumor muss die entsprechenden Strukturen (Checkpoints) in ausreichendem Maße ausbilden. Dies ist nicht bei allen Patienten der Fall und muss daher vor einer Behandlung abgeklärt werden.

T-Zellen bekämpfen die Krebszellen
Krebszellen tarnen sich
Immuntherapie enttarnt die Krebszellen

Mehr erfahren zu Immuntherapie

Das Patientenportal www.wissen-immuntherapie.de widmet eine ganze Internetseite der modernen Immuntherapie bei Lungenkrebs und weiteren Krebsarten. In leicht verständlicher Form erhalten Patienten und Angehörige detaillierte Informationen zu modernen Therapiemöglichkeiten.

Nicht bei allen Krebsarten erfolgreich: Impfungen

Impfungen gegen Krebs basieren auf dem gleichen Prinzip wie klassische Impfungen gegen Krankheiten. Nicht mehr teilungsfähige Tumorzellen oder Fragmente davon (Peptide) werden Patienten verabreicht. Ziel dieser Behandlung ist, dass sich das Immunsystem dagegen richtet und so eine Immunität gegen diese Krebsart ausbildet. Studien zur Impfung gegen Lungenkrebs konnten bisher jedoch noch keine zuverlässige Wirkungsweise bestätigen.

Was ist Palliativtherapie?

Trotz aller Therapiemöglichkeiten ist Lungenkrebs manchmal nicht heilbar: Möglicherweise kann ein Tumor im Rahmen einer Operation nicht mehr komplett entfernt werden oder aber es haben sich bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) in anderen Organen und/oder Lymphknoten gebildet. In solchen Fällen steht die palliative Behandlung im Vordergrund. Ziel ist es, das Tumorwachstum möglichst einzudämmen, Schmerzen und andere Begleiterscheinungen zu mindern und ganz allgemein die Lebensqualität eines Krebspatienten zu erhöhen.

Zur Behandlung des Tumors und eventueller Metastasen kommen Chemo-, Strahlen- und zielgerichtete Therapien infrage.

  • Bei nicht-kleinzelligen Tumoren kann eine Bestrahlung der Lunge Beschwerden wie Atemnot und Schmerzen lindern.
  • Die Bestrahlung von Knochenmetastasen führt ebenfalls zu weniger Schmerzen und einer geringeren Bruchgefahr.
  • Bei Hirnmetastasen werden durch eine Strahlentherapie Begleiterscheinungen wie Lähmungen oder Krampfanfälle eingedämmt.
  • Bisphosphonate können bei Knochenmetastasen die Knochensubstanz stabilisieren.
  • Eine Chemotherapie kann viele verschiedene Beschwerden lindern, da sie gleichzeitig auf alle Tumoren und deren Metastasen wirkt.
  • Zielgerichtete Therapien können bei nicht-kleinzelligen Tumoren die Chemotherapie unterstützen.
    Kleinzellige Tumoren neigen stark zur Bildung von Metastasen. Hier kommt häufig eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie infrage.
  • Eine Bestrahlung des Kopfes kann bei kleinzelligen Tumoren helfen, Hirnmetastasen vorzubeugen.

Hinweis für Angehörige
Die Therapiemöglichkeiten bei Krebs sind vielfältig und die Entscheidung, welche Therapie der Arzt empfiehlt, hängt von vielen Dingen ab. Vielleicht fühlen Sie sich als Angehöriger bei diesem Prozess ein wenig „außen vor“, da Sie nur indirekt betroffen sind. Wenn Sie sich über die Therapien informieren, können Sie Ihre eigenen Gedanken und Fragen miteinbringen. Sie werden ein fester Teil der Überlegungen – ein beruhigendes und gutes Gefühl für Sie und den Betroffenen.

Ein wichtiger Teil der Palliativmedizin ist eine effektive Behandlung von Schmerzen. Sprechen Sie Ihren Arzt auf die vielfältigen Möglichkeiten einer Schmerztherapie an! Die Angst vor der Einnahme starker Schmerzmittel ist unbegründet: Speziell ausgebildete Schmerztherapeuten entwickeln mit Ihnen eine genau auf Ihre Bedürfnisse abgestimmte Therapie.

Bei besonders starken Beschwerden kann der zeitlich begrenzte Aufenthalt auf einer Palliativstation sinnvoll sein. Viele Kliniken haben dort die Möglichkeit, Schwerstkranke intensiv zu betreuen und so eine spürbare Besserung zu erreichen. Pflege, eine wirksame Schmerztherapie und seelischer Beistand für Betroffene sowie deren Angehörige stehen dagegen in einem Hospiz im Vordergrund. Dort geht es vor allem darum, Schwerstkranke und Sterbende einfühlsam zu versorgen, während die medizinische Betreuung meist vom Hausarzt übernommen wird.


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