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ROCHE.DE: FACHINFORMATIONEN ZUM LUNGENKARZINOM

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Umgang & Leben - Kolumne

Pilgern als Therapie

Susanne und Günter Kranz

Wer die Diagnose Lungenkrebs erhält, läuft gegen eine Wand. Aber die Wand hat eine Tür. Mit diesen Worten beginnt Susanne Kranz ihr Buch „Pilgern als Therapie“. Sie fand diese Tür und entdeckte dahinter ihren Weg, die Krankheit anzunehmen und mit ihr zu leben. Gemeinsam mit ihrem Mann Günter startete sie in ihr „zweites Leben“ und begab sich auf lange Pilgertouren durch Spanien, Frankreich und Italien.

Susanne Kranz: Anfang 2007 erhielt ich innerhalb von zwei Wochen die Diagnosen Brustkrebs und Lungenkrebs. Jetzt, im April 2016, bereite ich gemeinsam mit meinem Mann unsere nächste Reise nach Spanien vor. Dass ich neun Jahre nach der ersten von vier Operationen noch planen kann, erscheint mir heute wie ein Wunder, und ich bin dankbar dafür. Im Rückblick hat es viele Höhen und Tiefen gegeben, aber es ist mir gelungen, nie die Hoffnung aufzugeben. Mein Mann hatte am Anfang große Probleme, mit meiner Krankheit umzugehen. Er hatte Angst, mich zu verlieren.

Auch in der dritten Woche nur Regen

Auch in der dritten Woche nur Regen

Günter Kranz: Die Diagnose Lungenkrebs und die sich anschließenden Behandlungen machten mich zunächst hilflos und verzweifelt. Meine Frau brachte die Kraft auf, mich neben ihrer Belastung durch die Therapie zu trösten. In dieser Zeit klammerte ich mich an die Hoffnung, mit ihr den Pilgerweg nach Santiago de Compostela gehen zu können.

Susanne Kranz: Meine Gedanken waren nur nach vorn gerichtet. Die Frau unseres jüngeren Sohnes war schwanger, und ich wollte die Geburt meines ersten Enkelkindes unbedingt noch erleben.
Es wurde ein Junge. Ich suchte mir immer neue Ziele, die ich noch verwirklichen wollte. Nach einem Jahr kam der Schock, der Krebs war zurück. Erneut wurde ich an der Lunge operiert und bekam anschließend eine Chemotherapie. Meine größte Angst war damals der Verlust meiner Haare. Ich ließ mir vor beginn der Therapie eine schöne Perücke anpassen. Ein halbes Jahr nach der Chemo waren die nächsten Metastasen da, und ich bekam ein Medikament in Tablettenform. Bald zeigte sich der Erfolg: die Metastasen wurden kleiner. Das war der Zeitpunkt, an dem ich den Entschluss fasste, meinen Mann auf den Jakobsweg zu begleiten.

»Wer die Diagnose Lungenkrebs erhält, läuft gegen eine Wand. Aber die Wand hat eine Tür.«

Im Sommer 2010 war ich bei einer Veranstaltung des Zweiten Atem in Berlin. Dort habe ich zum ersten Mal von der Selbsthilfe Lungenkrebs in Berlin gehört. Sie waren mit einem Infostand vertreten und luden mich zum nächsten Treffen ein. Bei dem ersten Treffen war ich überrascht, wie viele Betroffene und Angehörige gekommen waren. In der Reha hatte ich niemanden getroffen, der über seine Krankheit reden wollte. Es war eine gute Stimmung, und jeder hat etwas von sich erzählt. Ich hörte viel neues, von Therapien und von ärzten. Schnell war mir klar, dass ich wiederkommen würde. Seit dieser Zeit gehe ich regelmäßig zu den Treffen und helfe bei Veranstaltungen an den Infoständen. Ich merke, wie wichtig dieser Anlaufpunkt für neu Erkrankte und ihre Angehörigen ist. Es freut mich, wenn ich anderen Menschen Mut machen kann.

Susanne und Günther sprechen im Video über die Diagnose Krebs und den Entschluss, den Jakobsweg zu laufen.

Günter Kranz: Unsere Pilgerreise 2009 nach Santiago de Compostela hat mich von meiner Angst befreit. Erst als ich meine Frau zum ersten Mal zu ihrer Selbsthilfegruppe begleitete, kamen alte Beklemmungen wieder hoch. Ich konnte den Bericht eines neuen Besuchers über seinen Krebs und seine Metastasen nicht ertragen. Doch nach und nach lernte ich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gruppe besser kennen. Ich bin jetzt ständiger Teilnehmer an den Treffen der Berliner Selbsthilfegruppe, und es freut mich zu erleben, mit welcher Offenheit und mit wie viel Humor die Betroffenen ihr Schicksal meistern. Inzwischen arbeite ich mit großer Freude ehrenamtlich im Bundesverband Selbsthilfe Lungenkrebs, in dem über 40 Selbsthilfegruppen in Deutschland vertreten sind.

Susanne Kranz: Ich weiß, dass mein Krebs nicht verschwunden ist und dass ich nicht geheilt bin. Aber ich lebe bewusster und intensiver. Es stimmt, was ich oft in der Selbsthilfegruppe höre: die Krankheit hat auch ihre gute Seite. Sie zeigt uns, worauf es im Leben wirklich ankommt und dass wir uns unsere Fröhlichkeit erhalten können. Oder, wie ein Betroffener es kürzlich ausdrückte: Tumor ist, wenn man trotzdem lacht.


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