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Mit meinen Worten

Bei einer Erkrankung wie Lungenkrebs fehlen Betroffenen oft die Worte, um ihre innersten Gedanken auszudrücken. Aber manchmal kann es helfen zu sehen, wie andere mit der Situation umgehen. Im Hörbuch „Mit meinen Worten“ teilen Betroffene sowie Angehörige ihre Geschichten, Gedichte und Gedanken zu Lungenkrebs.

Making-Of Clip "Mit meinen Worten"

Lungenkrebspatienten eine Stimme geben möchte auch Dieter Kürten, ehemaliger Moderator des ZDF-Sportstudios und langjähriger Begleiter der Patientenkampagne „Der zweite Atem – Leben mit Lungenkrebs“. Gemeinsam mit Barbara Baysal, Vorsitzende der Selbsthilfe Lungenkrebs e. V., unterstützte er deshalb die Produktion des Hörbuchs „Mit meinen Worten“. Grundlage lieferte ein Buch, das in enger Zusammenarbeit mit Betroffenen und Angehörigen entstanden war.

„Die eigenen Ängste machen oft sprachlos“, weiß eine Patientin. Aber manchmal hilft es auch, den Gedanken anderer zu lauschen. Es kann Trost spenden, neue Kraft schenken und dazu ermutigen, irgendwann selbst Worte für die Erkrankung zu finden. „Die Gedanken und Ängste zu teilen kann ein wichtiger Schritt sein, das Leben mit Lungenkrebs zu meistern“, unterstreichen Kürten und Baysal.

Als erfolgreiche Synchronsprecherin wirkt Dieter Kürtens Tochter Dina an diesem Hörbuch mit. Sie wurde unter anderem durch die Sprechrolle der Königin Elsa im Film „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ bekannt.

Hörbuch
Mit meinen Worten-
Geschichten, Gedichte und Gedanken zu Lungenkrebs
Gelesen von Dina & Dieter Kürten und Barbara Baysal
Hörprobe

Gewinnen Sie einen Eindruck von den Geschichten:

<
Barbara Baysal
Gedicht
Herr Krebs

Herr Krebs
ist
jetzt
Untermieter
in meiner Lunge.

Ich hätte ihn
ja nicht genommen
aber er hat
nicht gefragt
sondern ist einfach
eingezogen.

Jetzt müssen wir miteinander auskommen.
Leider ist sein Mietvertrag unkündbar.

Angstfrei

Es war ein aufregendes Jahr das Jahr 2005: Im Frühling Bologna, im Juli Wien und unser Jahresurlaub war auch in Sicht. Noch 2 Monate und ab in die Sonne.

Aber es kam ganz anders und ich wurde eines Besseren belehrt. Nach einer leichten Erkältung hatte ich kleine, rote Pünktchen im Schleim. Mein erster Gedanke war Lungenkrebs. Den Gedanken habe ich sofort verworfen, da mein Bruder mit der Diagnose im Krankenhaus lag. Zwei aus der Familie – unmöglich. Es wurde eine CT vorgenommen und nach dem Röntgenbefund hatte ich keine Zeit mehr zum Durchatmen. Dank der schnellen Zusammenarbeit der Ärzte wurde ich bereits am Nachmittag im Krankenhaus erwartet.

Der Befund Bronchialkarzinom wurde bestätigt. Jetzt ging Alles Schlag auf Schlag, sodass ich mich mit der Krankheit nicht auseinandersetzen konnte. OP, Reha und Chemo. Ein Jahr ist vergangen und ich bin überglücklich, dass ich lebe und dass ich es geschafft habe. Da die regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen negativ ausgefallen sind, wollen mich die Ärzte erst nach einem halben Jahr im Krankenhaus wieder sehen. Jetzt sehe ich positiv in die Zukunft, freue mich auf meine Arbeitsteilzeit und wünsche mir nur noch Gesundheit und Jahre ohne ANGST. Denn trotz meiner Lebensfreude schleicht sie sich immer wieder ein – die ANGST.

– Bärbel –

„Ich wusste, dass ich ihn immer weiter lieben würde, egal, was kam. Ich wusste, dass ich mich zu ihm hingezogen fühlen würde, auch wenn sein Körper zerfiel.“

– Beate –
Dina Kürten

„Der Schlag der Dich K.O. schlägt, ist nie der, den Du kommen siehst. Gefährlich ist immer der, den Du nicht siehst, denn Du kannst Dich nicht darauf vorbereiten … nicht ausweichen, wenn er kommt.“ – George Foreman (ehem. Weltmeister im Schwergewicht)

22. September 2005, Heilbronn, Deutschland. Ich habe Angst. Ich hatte auch vorher schon einmal Angst, aber nichts ist vergleichbar mit dieser nackten Panik, die mich überkommt, als ich im Waschbecken des Badezimmers ausspucke und helle Blutfäden auf weißem Untergrund erkenne. Ich rauche, und huste deswegen öfter, allerdings nicht so brutal wie in den letzten beiden Tagen. In meinem Mund ist ein kupferner Geschmack. Ich versuche, mit mir selbst zu diskutieren, die Anwesenheit dieser Körperflüssigkeit zu rationalisieren. „Ach Quatsch,“ sage ich zu mir, „ nun denk mal nicht in solchen Klischees, dafür bist Du doch viel zu jung, es gibt tausend Erklärungen hierfür.“ Doch ich kann meinen Blick nicht lösen, von dem, was ich da sehe. (…)

Ich reiße mich los, stelle das Wasser an und spüle das Becken aus. Ich zwinge mich, zurück zu meinem PC zu gehen und weiterzuarbeiten. Verdammte Panik, bringt doch nichts. Du hast nichts, kann doch gar nicht sein. Erstmal abwarte. Aber, wenn es morgen nicht besser ist…. (…)

– Steffen –

»Wir erleben täglich kleine Wunder, die uns das Wissen um die kostbare, restliche Zeit beschert.«

– Brigitte –
<
Dieter Kürten
Gedicht

Atme ein,
Atme aus,
Atme Liebe ein,
den Hass aus,
die Zweifel aus
und benenne sie in Deinem Leben nie wieder.

– Bodil –