Soziales und Rechtliches bei Lungenkrebs

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Soziales und Rechtliches

Welche Kosten kommen auf mich zu? Was bezahlt die Krankenkasse? Wie wirkt sich die Erkrankung auf Beruf oder Rente aus? An welche Institutionen muss man sich wenden, um Leistungen zu beantragen? Fragen rund um ihre finanziellen Angelegenheiten oder den Umgang mit Behörden und Versicherungen beschäftigen viele Betroffene.

Welche Sozialrechts-Regelungen gibt es?

Eine Krebserkrankung hat in der Regel auch finanzielle Auswirkungen – vor allem dann, wenn der Betroffene noch berufstätig ist und den Hauptteil des Familieneinkommens trägt. Aber auch die Kosten der Therapie können sich in der Haushaltskasse bemerkbar machen. Um eine eventuelle Schieflage zu verhindern, lohnt es sich, sich über die eigenen Rechte zu informieren. Und: Haben Sie keine Hemmungen oder Schamgefühle, diese Leistungen auch in Anspruch zu nehmen. Sie stehen Ihnen zu und sollen eine Entlastung sein, damit Sie sich darauf konzentrieren können, möglichst schnell wieder gesund zu werden und Ihr Leben wieder in gewohnten Bahnen leben zu können.

Wie erhalte ich finanzielle Entlastung durch Zuzahlungen?

Auch wenn die Kosten im Rahmen Ihre Therapie von der Krankenkasse übernommen werden: Einen festgelegten Betrag für bestimmte Arzneimittel, Massagen, Atemtherapie, spezielle Hilfsmittel, Fahrtkosten oder Kosten für eine Haushaltshilfe müssen Sie in Form der sogenannten Zuzahlung selber tragen. Für die Höhe der Zuzahlung gilt: Zehn Prozent der Kosten zahlen Sie aus eigener Tasche – mindestens jedoch 5 Euro und höchstens 10 Euro. Da dies bei der Behandlung von Lungenkrebs für Sie schnell teuer werden kann, gibt es aber eine Höchstgrenze, die sogenannte Belastungsgrenze. Sie liegt bei zwei Prozent des jährlichen Familienbruttoeinkommens, für chronisch Kranke bei einem Prozent. Besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, ob Sie unter Umständen als chronisch krank eingestuft werden können.

Wenn Sie die entsprechende Grenze erreicht haben, können Sie bei Ihrer Krankenkasse einen Antrag auf die Befreiung von Zuzahlungen stellen, sodass für den Rest des Jahres keine weiteren Eigenleistungen auf Sie zukommen.

Der Ermittlung der Belastungsgrenze werden alle Zuzahlungen des Haushalts zusammengezählt, neben denen des Betroffenen also eventuell auch Ihre und die der familienversicherten Kinder. Sammeln Sie deshalb alle Zuzahlungsbelege während eines Kalenderjahres. Wichtig ist, dass die Personalien auf den Belegen vermerkt sind.

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Was sind Lohnfortzahlung und Krankengeld?

Wer an Lungenkrebs erkrankt und dadurch nicht weiter arbeiten kann, dem drohen Verdienstausfälle. Um diese abzumildern und den Lebensunterhalt zu sichern, haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf das sogenannte Krankengeld. Es wird gezahlt, wenn die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber abläuft. Dies ist in der Regel nach sechs Wochen der Fall; diese Frist kann durch Bestimmungen in Arbeits- oder Tarifverträgen aber auch abweichen. Ein Blick in den entsprechenden Vertrag lohnt!

Krankengeld umfasst 70 % Ihres zuvor erzielten Bruttolohns, maximal 90 % Ihres Nettolohns.

Gezahlt wird Krankengeld für längstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren. Wenn Sie nach diesen drei Jahren weiterhin nicht arbeiten können, erhalten Sie das Krankengeld aber nur noch dann, wenn Sie in der Zwischenzeit mindestens sechs Monate lang nicht krank waren und arbeiten konnten bzw. dem Arbeitsmarkt zur Verfügung standen.

Die Auszahlung des Krankengeldes müssen Sie bei Ihrer Krankenkasse selbst einfordern. Die entsprechende Erklärung senden Sie ausgefüllt zur Krankenversicherung. Von dieser erhalten Sie dann den sogenannten Krankengeldauszahlschein. Außerdem müssen Sie zu einem bestimmten Termin bei Ihrem Arzt vorstellig werden. Dieser füllt den medizinischen Teil aus, die weiteren Daten ergänzen Sie selbst. Die Auszahlung des Krankengeldes erfolgt, sobald der Auszahlschein eingereicht wurde und rückwirkend bis zum ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit.

WICHTIG: Bei freiwillig gesetzlich und privat Krankenversicherten gelten die im Vertrag individuell vereinbarten Krankentagegeld-Regelungen. Auch hier lohnt ein Blick in die Bedingungen – oder das direkte Gespräch mit der eigenen Versicherung.

Was muss der Arbeitgeber wissen?

Wenn Sie berufstätig sind, müssen Sie Ihren Arbeitgeber unverzüglich informieren, dass Sie krank sind und auch wie lange Sie voraussichtlich fehlen werden. Bei mehr als drei Tagen – oder je nach Arbeitsvertrag auch schon früher – müssen Sie ein ärztliches Attest vorlegen. Die Diagnose müssen Sie dem Arbeitgeber aber nicht mitteilen. Hier entscheidet vielmehr, wie gut ihr Verhältnis ist und ob und wann ein offenes Gespräch über die Erkrankung für Sie persönlich gut ist.

Wie stelle ich einen Antrag auf Schwerbehinderung?

Als Lungenkrebspatient können Sie beim zuständigen Versorgungsamt einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Das Amt prüft anhand des Antrags und der medizinischen Befunde den Grad der Behinderung, kurz GdB. Der Ausweis wird in der Regel für fünf Jahre ausgestellt und kann Ihnen je nach GdB einige Vorteile und Vergünstigungen bringen:

  • ein erhöhter Kündigungsschutz am Arbeitsplatz
  • mehr Urlaubstage
  • Steuererleichterungen
  • Ermäßigungen beim Öffentlichen Personennahverkehr und in öffentlichen
    Einrichtungen wie Museen oder Schwimmbädern
  • Befreiung von Funk- und Fernsehgebühren

Ob es sich für Sie lohnt einen solchen Antrag zu stellen, können Sie vorab auch mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

Neben Ihrem Arzt gibt es auch weitere Ansprechpartner, die Sie beraten und bei der
Antragsstellung unterstützen können. Wenn Sie im Krankenhaus behandelt werden, ist der Sozialdienst der Klinik Ihre erste Anlaufstelle. Dessen Mitarbeiter kümmern sich unter Umständen auch direkt um notwendige Anträge bei Kranken- und Rentenversicherung. Wer ambulant behandelt wird, kann sich zunächst an die Krankenversicherung wenden. Sie vermittelt bei Bedarf auch weitere Ansprechpartner. Darüber hinaus bieten auch die regionalen Krebsberatungsstellen Unterstützung.

Ob und in welchem Maße der Betroffene Pflege benötigt, sollten Sie frühzeitig mit dem behandelnden Arzt klären und dabei auch die häusliche Situation und Ihr privates Netzwerk schildern. Weitere Informationen zum Thema Pflege erhalten Sie beim Kliniksozialdienst sowie bei Ihrer Krankenkasse oder regionalen Pflegestützpunkten (Adressen erfahren Sie bei der Krankenkasse oder der Stadt/Gemeinde.)

hinweis für angehörige

KOSTENLOSES INFOMATERIAL

Sie benötigen weiterführende Informationen? Hier können Sie verschiedene Broschüren zum Thema „Recht und Soziales“ kostenlos nach Hause bestellen – oder nutzen Sie den PDF Download der Broschüren.

  • Broschüre: Hilfen für Arbeitnehmer in der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung
  • Broschüre: Hilfen für Krebspatienten im Rentenalter zum Umgang mit Krankenkassen und Behörden
  • Broschüre: Selbstständig und krebskrank? Hilfen zum Umgang mit Krankenversicherungen und Behörden

Zu den Infomaterialien »

Lungenkrebs als Berufskrankheit

Zahlreiche Umwelteinflüsse und Substanzen können die Entstehung von Krebs begünstigen. Dabei spielen Radongas, Asbest sowie Feinstaub eine wesentliche Rolle.
Wenn Personen diesen Einflüssen jahrelang ausgesetzt sind – wie zum Beispiel im Beruf, kann sich das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken, deutlich erhöhen.

Beim Radon handelt es sich um ein natürlich vorkommendes Edelgas, welches im Boden, Gestein und in der Luft zu finden ist. Übermäßig durch die Umgebungsluft eingeatmet, kann Radon zu Schädigungen der Lunge führen. Bergarbeiter, die unter Tage arbeiten, sind besonders von der schädigenden Radon-Wirkung betroffen. Die übermäßige Inhalation von Radon und seiner radioaktiven Folgeprodukten gilt als Hauptrisikofaktor für Lungenkrebs bei Nichtrauchern.

Zum Entstehen von Lungenkrebs sowie Krebserkrankungen im Hals-Nasen-Rachenraum kann ebenfalls Asbest beitragen. Vorangegangene berufliche Belastungen mit Asbest im Rahmen der Abfallentsorgung aber auch in der Asbestzementproduktion können selbst 30 bis 40 Jahre später die Entstehung von Lungenkrebs zur Folge haben.
Mit steigender Umweltbelastung durch Auto- und Industrieabgase stellt Feinstaub einen weiteren wesentlichen Risikofaktor für Lungenerkrankungen dar. Durch die Umgebungsluft aufgenommen kann Feinstaub ungehindert in die Lunge gelangen und dort die Entwicklung von Krebs begünstigen.

Deshalb gilt es gerade in diesem Bereich, Maßnahmen zum Gesundheitsschutz zu ergreifen. So ist es wichtig, Beschäftigte vor schädlicher Strahlung, Asbest oder Feinstaub zu schützen. Darüber hinaus sollten Nichtraucher vor den Gefahren des Passivrauchens bewahrt werden.

Etwa vier bis zehn Prozent aller Krebserkrankungen lassen sich auf berufliche Risikofaktoren zurückführen.