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ROCHE.DE: FACHINFORMATIONEN ZUM LUNGENKARZINOM

In unserem Fachbereich erhalten Sie weitere Informationen zum Lungenkarzinom und unseren Therapieoptionen.

Familie und Freunde - Umgang mit Betroffenen

Verstehen und Beistehen

Wie gehe ich auf den Betroffenen ein?

Ehe, Partnerschaft, Verwandtschaft, Freundschaft – jede Beziehung ist anders. Und genauso ist auch der Umgang mit einer Erkrankung wie Lungenkrebs in jeder Beziehung anders. Ein Patentrezept gibt es deshalb nicht, Hinweise zur Orientierung hingegen schon.

Krebspatienten spüren die Auswirkungen der Erkrankung und der Therapie ganz direkt. Da sind Schmerzen, Übelkeit oder Haarausfall, da sind Erschöpfungszustände, Gedächtnisstörungen und existenzielle Ängste. Die Folgen können Stimmungsschwankungen, Aggressionen, erhöhte Empfindsamkeit oder sozialer Rückzug sein. Um auf den Partner, den Vater, die Tante oder den besten Freund eingehen zu können, sollten Sie zunächst einmal versuchen, die Situation und das Verhalten des Betroffenen zu verstehen.

Dabei hilft das Gespräch, in dem sie sich ganz offen und ehrlich über beiderseitige Wünsche und Hoffnungen, Ängste und Sorgen austauschen. Wenn beide Seiten wissen, was den jeweils anderen bewegt, ist dies eine gute Basis, um die Herausforderung Lungenkrebs gemeinsam zu meistern. Und es kann verhindern, dass Sie dem Betroffenen Hilfen anbieten, die Sie sich in dieser Situation vermutlich wünschen würden, die er aber gar nicht möchte. Dazu ist es aber wichtig, dass Sie regelmäßig miteinander sprechen. Im Krankheitsverlauf können sich die Bedürfnisse durchaus verändern: Was heute gewünscht ist, kann übermorgen schon auf Ablehnung stoßen.

Bedenken Sie aber auch, dass Sie bei solchen Gesprächen nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen dürfen – der Betroffene ist nicht auf Sie wütend, sondern auf seine Krankheit. Und manchmal ist es auch gar nicht so wichtig was man sagt. Wichtiger ist, dass man da ist, Anteilnahme zeigt und Zuwendung anbietet. Eine Umarmung oder eine zarte Berührung sind dabei oft hilfreicher als der Versuch, mit Worten zu trösten.

Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht: Was brauchst Du? Was kann ich für Dich tun? Was macht die Situation so schlimm? Was könnte Dir die Situation erleichtern? – Experten empfehlen, Patienten immer wieder nach ihren Bedürfnissen zu fragen, anstatt sie mit gut gemeinten Ratschlägen zu überschütten oder einfach zu handeln.

Den Patienten entscheiden lassen

Auch wenn Sie – aus Sicht des Gesunden – ganz anders mit der Erkrankung und der Therapie umgehen würden: Überlassen Sie dem Betroffenen die Verantwortung. Helfen Sie ihm nur dort, wo er sich Hilfe wünscht. Trauen Sie ihm zu, dass er den für ihn richtigen Weg wählt. Vielleicht heißt dies, dass er Risiken eingeht, die sie nicht nachvollziehen können und die sie belasten. Für ihn hingegen kann es eine wertvolle Erfahrung sein. Anstatt Ihrem Angehörigen einen vermeintlich richtigen Weg zu weisen, sollten Sie lieber versuchen, für sich selbst einen Weg zu finden, mit der Erkrankung umzugehen. Dieser sollte einerseits dem Betroffenen das Gefühl vermitteln, dass Sie hinter ihm stehen, Ihnen andererseits aber auch ausreichende Freiheit lassen.
Dann kann eine Lungenkrebserkrankung ein Paar auch zusammenschweißen und zu einem starken Team werden lassen – mit einer neuen Tiefe und Verbundenheit, die sonst nicht entstanden wären.

Angehörige berichten in diesem Video, wie sie mit der Lungenkrebsdiagnose ihres Partners umgegangen sind und was ihnen dabei geholfen hat.

Wie unterstütze ich beim Arztbesuch?

Die Diagnose Lungenkrebs ist nicht selbsterklärend und für den Betroffenen sind die vielen Informationen rund um die Erkrankung und die Therapie auf Anhieb meist nur schwer zu verstehen. Gemeinsame Arztbesuche können hier eine Entlastung sein.

Gut informiert zu sein, hilft – bei der Entscheidung für oder gegen eine Therapie und bei der Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der Behandlung. Es hilft aber auch, mit den eigenen Ängsten besser zurechtzukommen. Deshalb sollten Sie den Betroffenen zu wichtigen Untersuchungen und Terminen begleiten. So können Sie im Arztgespräch wichtige Fragen stellen und Unklarheiten beseitigen. Vielleicht bereiten Sie auch gemeinsam mit dem Betroffenen eine entsprechende Checkliste für das Arztgespräch vor – mit Fragen, die sie beide bewegen.
Außerdem ist ein vertrautes Gesicht für den Betroffenen in der Regel eine enorme Stütze im gesamten Verlauf.

Wo bin ich als Stütze gefordert?

Nach der Diagnose gilt es, den Schock zu verdauen und sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen. Aber auch einige organisatorische Dinge müssen erledigt werden. Dabei können Sie den Betroffenen unterstützen.

Angst und Unsicherheit, Verdrängung und Ohnmacht, Niedergeschlagenheit oder Wut und bei Lungenkrebs häufig auch Schuldgefühle – dies sind die häufigsten Reaktionen der Betroffenen auf die Diagnose. Als Angehöriger sollten Sie versuchen, in dieser Situation für den Betroffenen da zu sein. Offene Gespräche über diese bedrückenden Gefühle können entlastend sein.

Neben dieser emotionalen Stütze ist aber auch Ihr Organisationstalent gefragt. Schließlich muss im Alltag jetzt vieles um die notwendigen Untersuchungen und die Behandlung geplant werden: Das kann vor allem dann zur Herausforderung werden, wenn zumindest einer von Ihnen noch berufstätig ist oder aber Sie als „Kind“ sich nun um Ihren Vater oder Ihre Muttern kümmern und gleichzeitig die eigene Familie und den Beruf unter einen Hut bringen müssen. Versuchen Sie so frühzeitig wie möglich zu planen, wie Sie zumindest die wichtigsten Arzttermine gemeinsam wahrnehmen können.

Auch feste Zeiten – etwa für Einkäufe, Hausarbeit, Erledigungen, Besuche oder gemeinsame Unternehmungen – können Struktur und Routine in den neuen Alltag bringen. Aber vergessen Sie nicht: Bei aller Planung ist eine Menge Flexibilität gefragt. Schließlich kann immer etwas dazwischen kommen – ein unverhoffter Arzttermin, eine berufliche Verpflichtung oder Krankheit. Hier ist es sinnvoll, vorab auch einen Notfallplan zu entwickeln und frühzeitig ein Team aus Helfern zusammenzustellen. Außerdem kann sich der Gesundheitszustand im Laufe der Erkrankung verändern. Die Organisation des Alltags muss dann entsprechend angepasst werden.

Unterstützung können Sie auch in vielen weiteren Dingen leisten und damit zumindest für eine gewisse Zeit auch für Ablenkung und eine Auszeit von der Erkrankung sorgen:

  • etwas zusammen unternehmen (Wichtig dabei: Nicht enttäuscht sein, wenn ein Ausflug oder eine Verabredung dann doch nicht möglich sind)
  • etwas Leckeres kochen (wenn dem Betroffenen danach ist)
  • zu Bewegung und Sport, Entspannungs- oder Atemübungen motivieren (und selbst mitmachen) – je nachdem, wie der Betroffene sich gerade fühlt

Zu diesen organisatorischen Fragen kommen oft auch Fragen zu finanziellen Angelegenheiten oder dem Umgang mit Behörden und Versicherungen: Welche Kosten kommen auf uns zu? Was bezahlt die Krankenkasse? Wie geht es im Beruf weiter? Wie beantragt man eine Reha oder eine Kur? Um hier Antworten zu finden, sollten Sie sich gemeinsam schlau machen, z. B. beim Sozialdienst der Klinik oder bei einer Krebsberatungsstelle. So können Sie dem Betroffenen beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen helfen. Je nach Gesundheitszustand kann es auch eine Entlastung sein, die Behördengänge zu übernehmen.

Trotz der vielen zusätzlichen Aufgaben, die nun vielleicht auf Ihren Schultern lasten, sollten Sie nicht einfach alle Entscheidungen alleine treffen. Beziehen Sie den Angehörigen mit ein und lassen Sie ihm auch seine eigenen Aufgaben – auch wenn das vielleicht einmal länger dauert oder nicht so gut klappt. Sonst fühlt er sich schnell überflüssig.


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