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Eine Impfung gegen Lungenkrebs – bald Realität?

Impfen schützt vor ansteckenden Krankheiten. Aber kann eine Impfung auch vorbeugend bei Lungenkrebs helfen?

Unser Immunsystem schützt uns vor Krankheitserregern wie Bakterien und Viren. Dazu bildet es nach dem Kontakt mit diesen Erregern einerseits sogenannte Antikörper, die diese direkt bekämpfen. Andererseits kann unser Immunsystem auch sogenannte Gedächtniszellen bilden. Sie erkennen die Krankheitserreger auch noch nach Jahren und geben den Immunzellen den Befehl, sie zu bekämpfen. Genau dieses Prinzip macht sich die Impfung – medizinisch Immunisierung – zunutze. Mediziner unterscheiden hier zwischen der aktiven und der passiven Immunisierung.

Beim Impfen werden nämlich abgeschwächte oder abgetötete Erreger in den Körper gebracht. Sie sind zwar zu schwach, um eine Infektion auszulösen, regen den Körper aber dazu an, Antikörper und Gedächtniszellen zu produzieren. Beim Impfen wird das Immunsystem also fit für den Kampf gegen eine Krankheit gemacht.

Impfschutz: Auf zwei Arten möglich

Bei der ersten Variante werden abgeschwächte oder abgetötete Erreger einer bestimmten Krankheit verabreicht. Sie sind zwar zu schwach, um die Krankheit auszulösen, regen den Körper aber dazu an, Antikörper und Gedächtniszellen zu produzieren. Kommt man nach der Impfung mit dem „echten“ Erreger in Kontakt, weiß das Immunsystem, was es zu tun hat und wehrt die Krankheit ab. Und das ein Leben lang.

Bei der zweiten Variante, der passiven Immunisierung wird hingegen erst geimpft, wenn man sich bereits angesteckt hat. In einem solchen Fall werden dann Konzentrate von Antikörpern gespritzt. Sie sind sofort wirksam und können den Krankheitserreger schnell vernichten. Allerdings baut der Körper die gespritzten Antikörper auch recht schnell ab, sodass der Impfschutz nur rund drei Monate hält.

Impfung gegen Lungenkrebs
Egal, ob aktive oder passive Variante: Beim Impfen wird das Immunsystem fit für den Kampf gegen eine Krankheit gemacht. 

Krebsimpfung: Vorbeugend oder behandelnd?

Aber funktioniert das auch bei Krebs? Ja und Nein. Es gibt Krebserkrankungen, bei denen Infektionen eine Rolle spielen. Zu ihnen gehört in erster Linie Gebärmutterhalskrebs, der durch sogenannte Humane Papillomviren (HPV) ausgelöst wird. Darüber hinaus kann bei Leberkrebs eine Infektion – in diesem Fall mit Hepatitis-Viren – hinter der Erkrankung stecken. Und auch bei manchen Tumoren im Kopf-Hals-Bereich gelten Infektionen als Auslöser. In diesen speziellen Fällen kann eine vorbeugende Impfung davor schützen, sich mit den Krankheiterregen zu infizieren, die letztendlich das Krebsrisiko erhöhen können. So lässt sich das Erkrankungsrisiko minimieren. Neben dieser Art der „Schutz-Impfung“ gibt es bei Krebs aber auch das Prinzip der therapeutischen Impfung. Sie kommt zum Einsatz, wenn ein Patient bereits erkrankt ist. Ihr Ziel ist, den Krankheitsprozess günstig zu beeinflussen bzw. in frühen Stadien vielleicht sogar eine Heilung zu erreichen.

Was passiert bei der Krebsimpfung?

Ein bestimmter Ansatzpunkt bei der therapeutischen Impfung sind die sogenannten Tumorantigene, also Merkmale, die typisch für Krebszellen sind. Auf gesunden Körperzellen kommen sie gar nicht oder nur in anderer Form oder Häufigkeit vor. Bei einer speziellen Form der therapeutischen Krebsimpfung bekommt der Patient einen Impfstoff verabreicht, der aus Teilen von Krebszellen oder speziell trainierten Immunzellen besteht. So soll die Impfung dafür sorgen, dass das Immunsystem lernt, welche Zellen es angreifen und vernichten muss – nämlich genau die Zellen, die das Tumorantigen aufweisen. Diese Art der therapeutischen Impfung wird derzeit auch bei Lungenkrebs – genauer gesagt beim nichtkleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) – in verschiedenen Studien untersucht. Dabei sind manche Ergebnisse vielversprechend, andere Impfstoffe wiederum haben sich als unwirksam erwiesen. Wann und ob Impfungen Standard in der Therapie von Lungenkrebs werden, ist daher noch nicht abzusehen.